Tat Nr. 418
Existenzsichernde Löhne in der Textilproduktion

Seit 2024 bezahlen wir in China und mittlerweile auch in Sri Lanka und Indien auf der letzten Verarbeitungsstufe unserer naturaline Textilien einen Bonus. Damit tragen wir dazu bei, die Lücke zu einem existenzsichernden Lohn schrittweise zu verringern.

Arbeiter:innen in der Fabrik

Mit unserer Strategie für existenzsichernde Löhne und Einkommen bis 2030 verfolgen wir das Ziel, dass Produzent:innen von Coop naturaline Textilien einen Preis erhalten, der es ihnen ermöglicht, ihren Arbeiter:innen einen existenzsichernden Lohn zu bezahlen. Seit 2024 leisten wir in Fabriken in China und mittlerweile auch in Sri Lanka und Indien einen finanziellen Beitrag, um die Lücke zu einem existenzsichernden Lohn schrittweise zu verringern.

Um die Höhe dieses Beitrags zu bestimmen, orientieren wir uns an den Berechnungen der WageIndicator Stiftung. Sie ermittelt existenzsichernde Löhne für verschiedene Regionen. Diese Werte vergleichen wir mit den tatsächlich ausbezahlten Löhnen der Arbeiter:innen. Grundlage dafür sind Lohndaten der Produzenten. Berücksichtigt werden der Grundlohn sowie regelmässige Zuschüsse für Essen, Transport und Unterkunft. Überstundenvergütungen fliessen nicht in die Berechnung ein. Die Differenz zwischen dem existenzsichernden Lohn und dem tatsächlichen Monatslohn zeigt die Lohnlücke auf. Sie macht sichtbar, wie viel Einkommen noch fehlt, damit ein existenzsichernder Lohn erreicht wird.

Da die beteiligten Fabriken in China, Sri Lanka und Indien nicht ausschliesslich für Coop produzieren, übernehmen wir den Betrag zur Schliessung dieser Lohnlücke anteilsmässig gemäss unserem Produktionsvolumen pro Fabrik. Dieser sogenannte Fair-Share-Ansatz stellt sicher, dass unser Beitrag dem Anteil unserer Produktion entspricht. Würden alle Abnehmer einer Fabrik nach demselben Prinzip handeln, könnte die gesamte Lohnlücke geschlossen werden.Der Bonus wird über die Fabrik an die Arbeiter:innen ausbezahlt. Alle Arbeiter:innen erhalten denselben Betrag. Für Mitarbeitende mit den tiefsten Löhnen bedeutet dies – je nach Fabrik – bereits heute rund 7 bis 11 Prozent mehr Einkommen. So tragen wir konkret dazu bei, den sogenannten Living Wage Gap, also die Lücke zu einem existenzsichernden Lohn, Schritt für Schritt zu verkleinern.

Eine anonymisierte Befragung von Arbeiter:innen in der Fabrik in China im Dezember 2025 zeigte, dass der zusätzliche Bonus einen spürbaren Unterschied macht. Die Befragten gaben an, das zusätzliche Geld unter anderem für Lebensmittel, die Ausbildung ihrer Kinder und die Rückzahlung von Schulden zu verwenden.Ein existenzsichernder Lohn («Living Wage») im Angestelltenverhältnis oder ein existenzsicherndes Einkommen («Living Income») aus selbstständiger Erwerbstätigkeit soll die Kosten für grundlegende Bedürfnisse decken. Dazu gehören Lebensmittel, Wasser, Wohnen, Bildung, Gesundheit, Mobilität und Kleidung. Auch Rücklagen für Notfälle sind Teil davon. Die Bezahlung existenzsichernder Löhne beziehungsweise existenzsichernder Referenzpreise für Rohstoffe ist ein wesentlicher Bestandteil nachhaltiger Lieferketten.

  • Projektverantwortliche in China
    Projektverantwortliche in China

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